Auf einmal ist mir bewusst geworden, dass ich mein Leben häufig aus der Position des Beobachters heraus lebe. Was heißt das? Ich beobachte, wie von außen, mich und alles, was sich so tut bei mir. Dabei wahre ich eine gewisse Distanz, ich nehme zwar Teil, ich nehme Anteil, aber ich bin nicht hundertprozentig Ich. Es besteht ein Unterschied zwischen mir, die ich lebe, und mir, die ich mir dabei zuschaue. Es besteht ein Verhältnis Subjekt-Objekt und Objekt-Subjekt, also eine Trennung. Ich bin nicht ganz eins mit mir selbst.
Wie ist es, wenn ich mich ganz in mich hinein ziehe – wobei nicht klar ist, ob ich Beobachterin mich Lebende in mich hinein ziehe, oder ich Lebende mich Beobachterin in mich aufnehme? Was ich nun tue: Ich Lebende wende mich um zu mir Beobachterin, zum ersten Mal wirklich! In welche Richtung ich mich wende, kann ich nicht ausmachen, nach unten, nach oben, nach innen, nach außen? Ich weiß ganz sicher, dass ich eine bewusste Kehrtwendung mache. Diese beiden Teile, dich ich wohl irgendwann einmal voneinander getrennt haben muss, ziehen sich nun an - mit Macht, in Liebe. Ich Beobachterin öffne die Arme für mich Lebende.
Im Körper fühlt sich das an wie ein „Plumps“: Gelandet. Und es ist ganz erstaunlich. Nun fühle ich Beobachterin mich nicht mehr außen vor, bin mit dem Leben auf Augenhöhe, sozusagen. Das ist toll! Ich spüre. Das ist schön, das hab ich mir immer gewünscht. Ich freue mich. Emotion entlädt sich in ein paar Tränen. Kann das jetzt so bleiben?
Um dies hier beschreiben zu können, muss ich wieder eine gewisse Distanz zu mir einnehmen, aber trotzdem ist es anders jetzt. Es ist jetzt mein Ausdruck, aus meiner Gesamtheit. Es gibt kein oben und unten mehr, kein passives Beobachten. Ich handle und beobachte aus mir heraus, direkt aus meinem Bauch heraus, wo ich mich niedergelassen habe.
Das erinnert mich daran, dass ein geliebter geistiger Lehrer uns einmal sagte: „Was in deinem Leben fehlt, bist DU.“
Samstag, 29. November 2008
Freitag, 21. November 2008
Zwei Träume „unter dem Eis“ 2. Das Böse unter dem Eis
Ich unternehme einen Spaziergang. Es ist Winter und ich gehe auf dem Eis eines gefrorenen Sees herum. Nun sehe ich dort vorne ein Loch im Eis und eine Hand reckt sich da heraus. Ist da jemand dabei, zu ertrinken? Ich laufe schnell zu der Stelle, lege mich flach auf das Eis. Die Hand, die gerade wieder hoch gekommen ist, ergreife ich. Ich ziehe daran und plötzlich spricht die Hand zu mir.
„Jetzt hab ich dich endlich! Ich wusste, du würdest mir nicht entkommen, ha! Nun ziehe ich dich herab und du wirst mit mir untergehen.“
Nein. Nein, das werde ich nicht tun. Ich werde mich nicht dem Bösen ergeben. Die Hand umklammert meine. Ich kann mich nicht lösen. Die Hand sagt nun höhnisch: „Hack dir doch einfach die Hand ab, dann bist du frei.“
Nein. Nein, das werde ich nicht tun. Ich will gesund und unversehrt und komplett aus dieser Geschichte hier heraus kommen. Mit aller Kraft ziehe ich an der Hand. Auf einmal kann ich den Widerstand überwinden und das, woran ich gezogen habe, liegt vor mir auf dem Eis. Es ist ein widerliches, ekelhaftes, hässliches, böses Ding. Die Hand ist überdimensional groß für dieses kleine Etwas, ein bisschen wie bei den Winkerkrabben sieht das aus, die eine einzelne Riesenschere haben und einen kleinen Körper. So imposant ist das Ding jetzt nicht mehr. Es sitzt da und fixiert mich. Es wird jetzt bei mir bleiben, lässt es mich telepathisch wissen, für alle Ewigkeit.
Nein, auch das will ich nicht. Wie kann ich es loswerden? Mir kommt die Idee, ich könnte ihm meinen Atem schicken, mich ganz in mir zentrieren und aus dem Mittelpunkt meines Seins und meiner Liebe heraus, diesem Ding meinen Atem schicken. Das tue ich also. Es vergehen Ewigkeiten. Da bemerke ich endlich eine Veränderung. Das Ding scheint zu vertrocknen in meiner Atemluft, es schrumpft und schrumpelt.
Vielleicht kann ich es jetzt verbrennen, so trocken, wie es ist? Ich entzünde ein Feuer und werfe es hinein. Beim Auflodern der Flammen sehe ich, wie dieses Ding, seine Idee, sozusagen, herausflattert aus dem Feuer und sich wieder neben mir niederlässt. Es hat seine Form verändert, ist aber noch genauso präsent. Hat nicht geklappt. Ich mache also das mit dem Atem weiter. Aus meinem Zentrum heraus atme ich auf das Ding. Mittlerweile bin ich müde geworden und schläfrig. „Wir machen morgen früh weiter. Ich schlafe jetzt. Beweg dich nicht von der Stelle!“ sag ich zu dem Ding.
Am nächsten Morgen (im Traum) erwache ich früh und das Ding ist tatsächlich noch da. Ich bin ganz sicher, dass das nicht so bleiben muss, und, da mir nichts anderes einfällt, mache ich weiter mit dem Atmen. Das Ding hat sich optisch wieder verändert und hat nun die Form eines Gefäßes angenommen. Ganz bewusst zentriere ich mich, gehe in den Kern meines Wesens, der reine Liebe ist, und atme von hier aus zu dem Ding hin. Ich bin ein wenig überrascht: Es nimmt meinen Atem auf. Wieder vergehen Ewigkeiten.
Plötzlich, ich schaue genau hin, beginnt das Ding zu weinen. Tränen kullern herab. Und dann irgendwann, ja, tatsächlich, beginnt es, zu schmelzen. Ganz langsam löst es sich auf in seinen eigenen Tränen. Das Ding wird immer kleiner. Am Ende ist da nur noch ein kleines Tränen-Pfützchen und diese verdunstet sehr schnell. Das war’s. Das schreckliche, widerwärtige, abgrundtief böse Ding war Angst und Schmerz und meine Liebe hat es erlöst. Das ist ja ein bisschen wie im Märchen! Oder vielleicht sind die Märchen wie unser Leben?
„Jetzt hab ich dich endlich! Ich wusste, du würdest mir nicht entkommen, ha! Nun ziehe ich dich herab und du wirst mit mir untergehen.“
Nein. Nein, das werde ich nicht tun. Ich werde mich nicht dem Bösen ergeben. Die Hand umklammert meine. Ich kann mich nicht lösen. Die Hand sagt nun höhnisch: „Hack dir doch einfach die Hand ab, dann bist du frei.“
Nein. Nein, das werde ich nicht tun. Ich will gesund und unversehrt und komplett aus dieser Geschichte hier heraus kommen. Mit aller Kraft ziehe ich an der Hand. Auf einmal kann ich den Widerstand überwinden und das, woran ich gezogen habe, liegt vor mir auf dem Eis. Es ist ein widerliches, ekelhaftes, hässliches, böses Ding. Die Hand ist überdimensional groß für dieses kleine Etwas, ein bisschen wie bei den Winkerkrabben sieht das aus, die eine einzelne Riesenschere haben und einen kleinen Körper. So imposant ist das Ding jetzt nicht mehr. Es sitzt da und fixiert mich. Es wird jetzt bei mir bleiben, lässt es mich telepathisch wissen, für alle Ewigkeit.
Nein, auch das will ich nicht. Wie kann ich es loswerden? Mir kommt die Idee, ich könnte ihm meinen Atem schicken, mich ganz in mir zentrieren und aus dem Mittelpunkt meines Seins und meiner Liebe heraus, diesem Ding meinen Atem schicken. Das tue ich also. Es vergehen Ewigkeiten. Da bemerke ich endlich eine Veränderung. Das Ding scheint zu vertrocknen in meiner Atemluft, es schrumpft und schrumpelt.
Vielleicht kann ich es jetzt verbrennen, so trocken, wie es ist? Ich entzünde ein Feuer und werfe es hinein. Beim Auflodern der Flammen sehe ich, wie dieses Ding, seine Idee, sozusagen, herausflattert aus dem Feuer und sich wieder neben mir niederlässt. Es hat seine Form verändert, ist aber noch genauso präsent. Hat nicht geklappt. Ich mache also das mit dem Atem weiter. Aus meinem Zentrum heraus atme ich auf das Ding. Mittlerweile bin ich müde geworden und schläfrig. „Wir machen morgen früh weiter. Ich schlafe jetzt. Beweg dich nicht von der Stelle!“ sag ich zu dem Ding.
Am nächsten Morgen (im Traum) erwache ich früh und das Ding ist tatsächlich noch da. Ich bin ganz sicher, dass das nicht so bleiben muss, und, da mir nichts anderes einfällt, mache ich weiter mit dem Atmen. Das Ding hat sich optisch wieder verändert und hat nun die Form eines Gefäßes angenommen. Ganz bewusst zentriere ich mich, gehe in den Kern meines Wesens, der reine Liebe ist, und atme von hier aus zu dem Ding hin. Ich bin ein wenig überrascht: Es nimmt meinen Atem auf. Wieder vergehen Ewigkeiten.
Plötzlich, ich schaue genau hin, beginnt das Ding zu weinen. Tränen kullern herab. Und dann irgendwann, ja, tatsächlich, beginnt es, zu schmelzen. Ganz langsam löst es sich auf in seinen eigenen Tränen. Das Ding wird immer kleiner. Am Ende ist da nur noch ein kleines Tränen-Pfützchen und diese verdunstet sehr schnell. Das war’s. Das schreckliche, widerwärtige, abgrundtief böse Ding war Angst und Schmerz und meine Liebe hat es erlöst. Das ist ja ein bisschen wie im Märchen! Oder vielleicht sind die Märchen wie unser Leben?
Zwei Träume „auf dem „Eis“: 1. Abschied
Ich befinde mich auf einem Spaziergang. Es ist Winter und ich gehe auf einem gefrorenen See herum. Nun sehe ich dort vorne ein Loch im Eis und eine Hand reckt sich da heraus. Ist da jemand dabei, zu ertrinken? Ich laufe schnell zu der Stelle, lege mich flach auf das Eis und ergreife die Hand, die gerade wieder hoch gekommen ist. Ich ziehe daran und auf einmal bin ich als die Person im Wasser zu erkennen. Wir sprechen miteinander. Oh Gott, wie kann ich mich retten? Ich habe keine Möglichkeit, kann mich, diesen Teil von mir im Wasser, nicht retten, denn ich habe keine Leiter, kein Hilfsgerät. Hilfe zu holen, würde zu lange dauern. Ich ringe mit mir, ob ich trotzdem einfach weggehen will? Es hilft nichts. Ich liebe mich so sehr und bin ratlos in dieser Ausweglosigkeit.
Die Zeit scheint still zu stehen und gleichzeitig weiß ich, dass ich blitzschnell handeln muss, denn in diesem eisigen Wasser werde ich in wenigen Sekunden tot sein.
Ich fasse mir ein Herz und beginne unter Tränen mit mir zu sprechen: „Ich halte deine Hand, so lange du mich brauchen kannst. Du wirst jetzt sterben und ich kann dich nicht retten, denn ich schaffe es nicht, dich heraus zu ziehen und du hast nicht mehr die Kraft mitzuhelfen. Ich bin bei dir. Ich sage dir, was ich weiß über das Sterben. Gehe ins Licht hinein und hab keine Angst. Ich segne dich.“ Ich schaue mir in die Augen, bis das Leben weicht und ich im Wasser versinke. Abschied.
Die Zeit scheint still zu stehen und gleichzeitig weiß ich, dass ich blitzschnell handeln muss, denn in diesem eisigen Wasser werde ich in wenigen Sekunden tot sein.
Ich fasse mir ein Herz und beginne unter Tränen mit mir zu sprechen: „Ich halte deine Hand, so lange du mich brauchen kannst. Du wirst jetzt sterben und ich kann dich nicht retten, denn ich schaffe es nicht, dich heraus zu ziehen und du hast nicht mehr die Kraft mitzuhelfen. Ich bin bei dir. Ich sage dir, was ich weiß über das Sterben. Gehe ins Licht hinein und hab keine Angst. Ich segne dich.“ Ich schaue mir in die Augen, bis das Leben weicht und ich im Wasser versinke. Abschied.
Donnerstag, 6. November 2008
Die Zeit löst sich auf...?
Mein Zeit- und Realitätsempfinden ist gerade völlig anders, als noch vor 2 Monaten. Ich hab oft fast das Gefühl, als ob die Zeit sich aufgelöst hätte. Auf einmal ist der Tag vorbei und ich fühle mich immer noch gleich wie am Morgen, natürlich bin ich müde oder hungrig, aber es ist alles gleich und eins und es ist egal, was ich tue. Ich arbeite beispielsweise, es ist schwierig oder langweilig oder es ist sonst irgendwie. Oder ich hab frei und gehe durch die Stadt, mache Besorgungen, und es ist wieder das Gleiche. Ich erlebe den Moment, der jetzt gerade ist, und der ist absolut zeitlos. Gewahrsein, wirklich präsent sein - Ist es das, was sich so anfühlt? Es gibt kein Vorher und kein Nachher, obwohl ich ja weiß, dass sich in vielen Fällen eins aus dem anderen ergibt. Alles ist irgendwie gleich und es ist nicht mehr so wichtig, was gerade ist. Natürlich gibt es schöne Erlebnisse, Freude und Spaß, oder Unangenehmes, Dinge, die nicht klappen, Kopfschmerzen oder anderes Nervige, aber ich nehme all das ein bisschen anders wahr. Es wirkt nicht mehr ganz so real- oder wichtig. Ich bin gelassener als vor ein paar Wochen, und mit einem tiefen Atemzug bin ich wieder bei mir, auch wenn ich aufgrund eines äußeren Anlasses gerade mal „außer mir“ war. Interessant, das zu beobachten! Ja, ich beobachte.
Donnerstag, 30. Oktober 2008
Die Welle
Ich sitze auf der Bank unter dem großen Baum in meinem Garten. Unglücklich bin ich, fühle mich leer, alles ist ohne Sinn. Es gibt einiges, was ich vermisse in meinem Leben. Wo finde ich jetzt Trost in dieser Depression?
„Ich bin dein Trost, bin hier, in deinem Herzen, unserem Herzen, sozusagen.“
Hm, das, was sich da mein Trost nennt, in meinem Herzen, fühlt sich an wie eine blaue Welle. Sie wogt hin und her und wartet scheinbar darauf, mich zu fluten.
„Ich bin dein Trost. Ich bin dein Sein. Ich bin dein Anteil an der Unendlichkeit. Ich bin die Ewigkeit in dir. Öffne die Schleusentore deines Bewusstseins für mich.“
Immer wieder kommen Gedanken, die wie Wehre wirken, den freien Fluss unterbrechen und verlangsamen. Lass ich mich überrollen von dieser Welle? Sie dehnt sich vom Herzen aus in alle Richtungen, nach innen und außen gleichzeitig . Der Körper reagiert mit einem Juckreiz am Ohr, einem Stechen im Bauch und mancherlei anderen plötzlich auftretenden Symptomen, als hätte er Angst.
„Ich bin die Woge der Liebe. Ich bin die Woge der Wahrheit. Wenn du bereit bist, dann schwemme ich alles weg, was unwahr ist.“
Ich öffne wieder ein paar Schleusentore. Bin ich bereit - oder will ich etwa noch weiter dieses Leid auskosten, das mir so vertraut ist? Will ich den Widerstand aufgeben? Oh, Gott, das ist schwer! Ängste, Bedenken wollen mich bremsen, „retten“ sagen sie. Retten vor mir selbst, vor der Liebe, vor dem Einssein? Ist das nicht verrückt, Angst vor dem Guten, dem Richtigen, dem einzig Wahren zu haben? Diese Welle bin ja ich selbst, diese Welle bin ich viel mehr, als ich meine Ängste und Bedenken bin. Sie sind etwas, was ich habe, was ich mir angeeignet habe, aber nicht, was ich bin. Eine weitere Stufe ist geflutet.
Die Woge sagt: „Ich habe Zeit, ich bin außerhalb der Zeit. Ich befinde mich in der Ewigkeit des Jetzt. Du, Mensch, entscheidest, ob und wann du dich von mir, also von dir, fluten lassen willst.“ 1000 Ablenkungen in Form von körperlichen Empfindungen schieben sich wieder in meinen Wahrnehmungsbereich. Hat der Körper etwas dagegen, die Wahrheit zu erfahren? Es scheint fast so. Der Körper ist der Widerstand. Gut, ich hab ja Zeit, andererseits bin ich der Boss, nicht mein Körper. Er hat Angst sich aufzulösen.
Wieder hab ich eine Staustufe zur Flutung freigegeben. Ich spüre jetzt wie die Welle sich über den Brustkorb hinaus ausgedehnt hat und wie sich kleine Zungen bereits bis in die Hände und in den Unterleib hinein recken mit ihren rollenden Bewegungen. Die Welle nimmt mir fast den Atem, schwappt über mich drüber.
„Keine Angst. Ich bin die Erlösung. Du stirbst nicht, du wirst gerade neu geboren. Du erlöst dich selbst.“ Wer würde sich nicht fürchten vor diesem Tsunami der Liebe? Ja, ich ergebe mich. Ich atme tief in meinen Bauch hinein. Wieder schieben sich Gedanken zwischen mich und die Welle, und Schmerzen. Doch ich lasse zu, dass die Woge Gedanken und Schmerzen einfach mit sich reißt.
Die Welle dehnt sich jetzt über meinen physischen Körper hinaus aus. Sie ergreift Raum um Raum und verbindet dadurch mehr und mehr Räume miteinander. Ich bin diese ungeheure Welle, die so kraftvoll ist und sich beständig ausdehnt.
He Welle, wo ist die Freude und die Liebe, der Trost, den du versprochen hast? „Ich bin der Trost aus den tiefsten Tiefen und den höchsten Höhen. Ich bin die Freude, die aus dem Urgrund von dir zu dir hervordringt. Lass es zu. Ich bin nicht das leichtfertige: „Das wird schon wieder...“. Ich bin das unerschütterliche: „Alles ist perfekt“. Ich bin die Freude, die ein Feuer ist, welches alles andere verbrennt, denn ich bin die Wahrheit. Kannst du mich ertragen? Kannst du dich ertragen? Lass dich langsam aufsteigen aus der Tiefe dieser Welle.“
Ich spüre, wie die Welle lebt, dass sie das Leben ist. Sie spült mich an den Strand, der nur aus einem einzigen Sandkorn besteht, das ich bin. In dieser Winzigkeit eröffnet sich mir wieder meine Unendlichkeit...
„Ich bin dein Trost, bin hier, in deinem Herzen, unserem Herzen, sozusagen.“
Hm, das, was sich da mein Trost nennt, in meinem Herzen, fühlt sich an wie eine blaue Welle. Sie wogt hin und her und wartet scheinbar darauf, mich zu fluten.
„Ich bin dein Trost. Ich bin dein Sein. Ich bin dein Anteil an der Unendlichkeit. Ich bin die Ewigkeit in dir. Öffne die Schleusentore deines Bewusstseins für mich.“
Immer wieder kommen Gedanken, die wie Wehre wirken, den freien Fluss unterbrechen und verlangsamen. Lass ich mich überrollen von dieser Welle? Sie dehnt sich vom Herzen aus in alle Richtungen, nach innen und außen gleichzeitig . Der Körper reagiert mit einem Juckreiz am Ohr, einem Stechen im Bauch und mancherlei anderen plötzlich auftretenden Symptomen, als hätte er Angst.
„Ich bin die Woge der Liebe. Ich bin die Woge der Wahrheit. Wenn du bereit bist, dann schwemme ich alles weg, was unwahr ist.“
Ich öffne wieder ein paar Schleusentore. Bin ich bereit - oder will ich etwa noch weiter dieses Leid auskosten, das mir so vertraut ist? Will ich den Widerstand aufgeben? Oh, Gott, das ist schwer! Ängste, Bedenken wollen mich bremsen, „retten“ sagen sie. Retten vor mir selbst, vor der Liebe, vor dem Einssein? Ist das nicht verrückt, Angst vor dem Guten, dem Richtigen, dem einzig Wahren zu haben? Diese Welle bin ja ich selbst, diese Welle bin ich viel mehr, als ich meine Ängste und Bedenken bin. Sie sind etwas, was ich habe, was ich mir angeeignet habe, aber nicht, was ich bin. Eine weitere Stufe ist geflutet.
Die Woge sagt: „Ich habe Zeit, ich bin außerhalb der Zeit. Ich befinde mich in der Ewigkeit des Jetzt. Du, Mensch, entscheidest, ob und wann du dich von mir, also von dir, fluten lassen willst.“ 1000 Ablenkungen in Form von körperlichen Empfindungen schieben sich wieder in meinen Wahrnehmungsbereich. Hat der Körper etwas dagegen, die Wahrheit zu erfahren? Es scheint fast so. Der Körper ist der Widerstand. Gut, ich hab ja Zeit, andererseits bin ich der Boss, nicht mein Körper. Er hat Angst sich aufzulösen.
Wieder hab ich eine Staustufe zur Flutung freigegeben. Ich spüre jetzt wie die Welle sich über den Brustkorb hinaus ausgedehnt hat und wie sich kleine Zungen bereits bis in die Hände und in den Unterleib hinein recken mit ihren rollenden Bewegungen. Die Welle nimmt mir fast den Atem, schwappt über mich drüber.
„Keine Angst. Ich bin die Erlösung. Du stirbst nicht, du wirst gerade neu geboren. Du erlöst dich selbst.“ Wer würde sich nicht fürchten vor diesem Tsunami der Liebe? Ja, ich ergebe mich. Ich atme tief in meinen Bauch hinein. Wieder schieben sich Gedanken zwischen mich und die Welle, und Schmerzen. Doch ich lasse zu, dass die Woge Gedanken und Schmerzen einfach mit sich reißt.
Die Welle dehnt sich jetzt über meinen physischen Körper hinaus aus. Sie ergreift Raum um Raum und verbindet dadurch mehr und mehr Räume miteinander. Ich bin diese ungeheure Welle, die so kraftvoll ist und sich beständig ausdehnt.
He Welle, wo ist die Freude und die Liebe, der Trost, den du versprochen hast? „Ich bin der Trost aus den tiefsten Tiefen und den höchsten Höhen. Ich bin die Freude, die aus dem Urgrund von dir zu dir hervordringt. Lass es zu. Ich bin nicht das leichtfertige: „Das wird schon wieder...“. Ich bin das unerschütterliche: „Alles ist perfekt“. Ich bin die Freude, die ein Feuer ist, welches alles andere verbrennt, denn ich bin die Wahrheit. Kannst du mich ertragen? Kannst du dich ertragen? Lass dich langsam aufsteigen aus der Tiefe dieser Welle.“
Ich spüre, wie die Welle lebt, dass sie das Leben ist. Sie spült mich an den Strand, der nur aus einem einzigen Sandkorn besteht, das ich bin. In dieser Winzigkeit eröffnet sich mir wieder meine Unendlichkeit...
Donnerstag, 9. Oktober 2008
Herbst: Erntezeit
Der Herbst kündigt sich an: bunt gefärbtes Laub, morgendlicher Nebel und das Sonnenlicht hat eine andere Farbe. Das Getreide ist längst eingefahren, nur noch Kartoffeln, Kohl und ein paar Herbstgemüse sind zu ernten. Welche Erfahrungen und Energien ernte ich in diesem Jahr?
Wie wäre es, jetzt einmal inne zu halten und meine persönliche Ernte zu begutachteten? Es ist, wie es ist, und die Früchte meines Tuns, Denkens und Fühlens liegen nun vor mir. Ich will mich daran freuen, denn jetzt ist es Zeit, mein ganz persönliches Erntedankfest zu feiern. Ich übernehme die Verantwortung für das, was ich mit Unterstützung von außen erzeugt habe. All das, was sich mir nun präsentiert, ist meins, das Helle und das Dunkle, das Farbenprächtige und das, was grau in grau daherkommt.
Meinem Erfahrungsspeicher habe ich vielerlei Neues hinzugefügt – oder war es das ewig Gleiche? Mein Erfahrungsspeicher ist meine Schatzkiste und ihr Inhalt ist unverderblich. Es liegt ganz an mir, mich daran zu erfreuen, und zwar auch an den Inhalten, die vielleicht nicht so hübsch anzusehen und wohl riechend sind. Denn mit ihrer Hilfe kann ich neue Potentiale in mir erwecken. Unschöne oder monotone Erfahrungen sind es oft, die uns motivieren, tatsächlich etwas zu ändern, etwas Neues zu beginnen, etwas Überholtes endgültig beizulegen.
Ich feiere jetzt mit meiner ganzen Leidenschaft mein ganz persönliches Erntedankfest. Einige typische Exemplare meiner geernteten Erfahrungen dekoriere ich auf dem Altar meiner Dankbarkeit für dieses wundervolle Leben, für all die Möglichkeiten, aus denen ich jeden Tag wähle, auch wenn dies oft noch unbewusst oder unterbewusst geschieht. Die allerschönsten Blumen meines Gartens lege ich auf den Altar meiner Dankbarkeit, meiner Achtung und Wertschätzung für diese großartige Schöpfung. Einen ganz besonders schönen Blumenstrauß schenke ich auch mir selbst und danke mir dafür, wie ich mein ganz eigenes, persönliches Leben gestalte. Schwierige, unangenehme Erfahrungen sind ebenso wertvoll, wie all die Freude und Liebe und Leichtgkeit, die ich genieße. Welche Fülle! Welche Vielfalt!
Wie wäre es, jetzt einmal inne zu halten und meine persönliche Ernte zu begutachteten? Es ist, wie es ist, und die Früchte meines Tuns, Denkens und Fühlens liegen nun vor mir. Ich will mich daran freuen, denn jetzt ist es Zeit, mein ganz persönliches Erntedankfest zu feiern. Ich übernehme die Verantwortung für das, was ich mit Unterstützung von außen erzeugt habe. All das, was sich mir nun präsentiert, ist meins, das Helle und das Dunkle, das Farbenprächtige und das, was grau in grau daherkommt.
Meinem Erfahrungsspeicher habe ich vielerlei Neues hinzugefügt – oder war es das ewig Gleiche? Mein Erfahrungsspeicher ist meine Schatzkiste und ihr Inhalt ist unverderblich. Es liegt ganz an mir, mich daran zu erfreuen, und zwar auch an den Inhalten, die vielleicht nicht so hübsch anzusehen und wohl riechend sind. Denn mit ihrer Hilfe kann ich neue Potentiale in mir erwecken. Unschöne oder monotone Erfahrungen sind es oft, die uns motivieren, tatsächlich etwas zu ändern, etwas Neues zu beginnen, etwas Überholtes endgültig beizulegen.
Ich feiere jetzt mit meiner ganzen Leidenschaft mein ganz persönliches Erntedankfest. Einige typische Exemplare meiner geernteten Erfahrungen dekoriere ich auf dem Altar meiner Dankbarkeit für dieses wundervolle Leben, für all die Möglichkeiten, aus denen ich jeden Tag wähle, auch wenn dies oft noch unbewusst oder unterbewusst geschieht. Die allerschönsten Blumen meines Gartens lege ich auf den Altar meiner Dankbarkeit, meiner Achtung und Wertschätzung für diese großartige Schöpfung. Einen ganz besonders schönen Blumenstrauß schenke ich auch mir selbst und danke mir dafür, wie ich mein ganz eigenes, persönliches Leben gestalte. Schwierige, unangenehme Erfahrungen sind ebenso wertvoll, wie all die Freude und Liebe und Leichtgkeit, die ich genieße. Welche Fülle! Welche Vielfalt!
Donnerstag, 4. September 2008
Das Gänseblümchen
Das kleine Gänseblümchen
Das kleine Gänseblümchen erwacht. Ein neuer Tag ist angebrochen. Schon zwitschern die Vögel und gleich wird die Sonne aufgehen. Neben dem kleinen Gänseblümchen wächst seine Gänseblümchen-Schwester und um es herum sind noch einige weitere Geschwister, aber sie ist die Jüngste. Das kleine Gänseblümchen spürt deutlich die Kraft seiner Mutter, der lieben Erde, unter sich. Es freut sich an ihrer großen Liebe und streckt und reckt seine Würzelchen so tief nach unten in die Erde, wie es kann. Oben lacht jetzt Vater Sonne und sendet seine warmen Strahlen, die so belebend sind und das kleine Gänseblümchen nun ganz wach machen.
Da kommt ja Freund Schmetterling! Auch er fliegt schon seine Runde und überbringt den Gänseblümchen die Morgenbotschaft. Noch einige weitere Besucher sind heute früh unterwegs auf der Wiese. Alle sind dem kleinen Gänseblümchen willkommen, die dicke Hummel brummt herbei und eine grünlich schillernde Fliege stattet ihm einen Besuch ab.

Aber da ist noch jemand. Lisa ist wach. Sie ist aus dem Haus in den Garten gegangen. „Oh, wie wunderschön, diese vielen Gänseblümchen!“ Lisa freut sich sehr. Ob sie ein Sträußchen für ihre Mutter pflücken soll? „Oh ja!“, freut sich Lisa über ihre gute Idee. „Die allerschönsten will ich aussuchen.“ – „Oh, hier war der Stiel zu kurz. Ich will darauf achten, nur solche Gänseblümchen zu pflücken, die lang genug sind, damit Mama sie auch in die kleine Vase stellen kann“. Die Gänseblümchen recken ihre Hälse. Jedes will ein großes Gänseblümchen sein. Jedes will erwählt werden, um Lisa und ihrer Mutter eine Freude zu machen. Lisa geht zwischen den Blumen umher und sucht sorgfältig diejenigen aus, die besonders schön strahlen und die groß genug sind, um in der kleinen Vase ein Mitglied des Gänseblümchenstraußes werden zu können.
„Hier, hier! Wähle mich!“, rufen die Gänseblümchen. Doch nur ein paar sollen mit hinein ins Haus. „Ich will dir und deiner Mutter Freude bereiten! Nimm mich mit, Lisa!“, sagt unser kleines Gänseblümchen. Lisa lacht. Sie kann nämlich die Gänseblümchen-Sprache verstehen. Das Gänseblümchen erklärt nun Lisa: „Weißt du, für uns ist es die größte Freude, Freude zu bereiten. Das ist es, wozu wir da sind.“ Und Lisa antwortet: „Ihr lieben Gänseblümchen. Was für eine schöne Aufgabe ihr euch da ausgesucht habt! Ihr seid ja die Freude selbst! Heute will ich ein paar wenige von euch mit ins Haus nehmen. Du, kleines Gänseblümchen, bist dabei. Ihr anderen vielen aber dürft hier draußen auf der Wiese bleiben. Hier macht ihr uns doch ebenso viel Freude. Jeden Morgen, wenn ich hinaus komme, und meine Mutter, wenn sie aus dem Fenster schaut, freuen wir uns an euch und eurem Leuchten im Grün der Wiese. Und wir denken, wie schön ihr seid, und so habt ihr ein dickes Lächeln in unser Gesicht gezaubert, auch wenn einmal ein Regentag ist. Dafür danke ich euch. Und ich komme bestimmt bald wieder heraus zu euch in den Garten, um euch zu besuchen.“ Und mit einem „Tschüß, ihr Gänseblümchen“ nimmt Lisa ihren kleinen Strauß samt unserem kleinen Gänseblümchen und verschwindet wieder in der Terrassentür. „Tschüß, Lisa“, rufen die Gänseblümchen, „bis bald.“
© Ina Martina Klein, Aug. 2008
Das kleine Gänseblümchen erwacht. Ein neuer Tag ist angebrochen. Schon zwitschern die Vögel und gleich wird die Sonne aufgehen. Neben dem kleinen Gänseblümchen wächst seine Gänseblümchen-Schwester und um es herum sind noch einige weitere Geschwister, aber sie ist die Jüngste. Das kleine Gänseblümchen spürt deutlich die Kraft seiner Mutter, der lieben Erde, unter sich. Es freut sich an ihrer großen Liebe und streckt und reckt seine Würzelchen so tief nach unten in die Erde, wie es kann. Oben lacht jetzt Vater Sonne und sendet seine warmen Strahlen, die so belebend sind und das kleine Gänseblümchen nun ganz wach machen.
Da kommt ja Freund Schmetterling! Auch er fliegt schon seine Runde und überbringt den Gänseblümchen die Morgenbotschaft. Noch einige weitere Besucher sind heute früh unterwegs auf der Wiese. Alle sind dem kleinen Gänseblümchen willkommen, die dicke Hummel brummt herbei und eine grünlich schillernde Fliege stattet ihm einen Besuch ab.

Aber da ist noch jemand. Lisa ist wach. Sie ist aus dem Haus in den Garten gegangen. „Oh, wie wunderschön, diese vielen Gänseblümchen!“ Lisa freut sich sehr. Ob sie ein Sträußchen für ihre Mutter pflücken soll? „Oh ja!“, freut sich Lisa über ihre gute Idee. „Die allerschönsten will ich aussuchen.“ – „Oh, hier war der Stiel zu kurz. Ich will darauf achten, nur solche Gänseblümchen zu pflücken, die lang genug sind, damit Mama sie auch in die kleine Vase stellen kann“. Die Gänseblümchen recken ihre Hälse. Jedes will ein großes Gänseblümchen sein. Jedes will erwählt werden, um Lisa und ihrer Mutter eine Freude zu machen. Lisa geht zwischen den Blumen umher und sucht sorgfältig diejenigen aus, die besonders schön strahlen und die groß genug sind, um in der kleinen Vase ein Mitglied des Gänseblümchenstraußes werden zu können.
„Hier, hier! Wähle mich!“, rufen die Gänseblümchen. Doch nur ein paar sollen mit hinein ins Haus. „Ich will dir und deiner Mutter Freude bereiten! Nimm mich mit, Lisa!“, sagt unser kleines Gänseblümchen. Lisa lacht. Sie kann nämlich die Gänseblümchen-Sprache verstehen. Das Gänseblümchen erklärt nun Lisa: „Weißt du, für uns ist es die größte Freude, Freude zu bereiten. Das ist es, wozu wir da sind.“ Und Lisa antwortet: „Ihr lieben Gänseblümchen. Was für eine schöne Aufgabe ihr euch da ausgesucht habt! Ihr seid ja die Freude selbst! Heute will ich ein paar wenige von euch mit ins Haus nehmen. Du, kleines Gänseblümchen, bist dabei. Ihr anderen vielen aber dürft hier draußen auf der Wiese bleiben. Hier macht ihr uns doch ebenso viel Freude. Jeden Morgen, wenn ich hinaus komme, und meine Mutter, wenn sie aus dem Fenster schaut, freuen wir uns an euch und eurem Leuchten im Grün der Wiese. Und wir denken, wie schön ihr seid, und so habt ihr ein dickes Lächeln in unser Gesicht gezaubert, auch wenn einmal ein Regentag ist. Dafür danke ich euch. Und ich komme bestimmt bald wieder heraus zu euch in den Garten, um euch zu besuchen.“ Und mit einem „Tschüß, ihr Gänseblümchen“ nimmt Lisa ihren kleinen Strauß samt unserem kleinen Gänseblümchen und verschwindet wieder in der Terrassentür. „Tschüß, Lisa“, rufen die Gänseblümchen, „bis bald.“
© Ina Martina Klein, Aug. 2008
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